Reverse Mentoring

 

Jung coacht Alt – so könnte man die Methode des Reverse Mentoring übersetzen. Sie stellt altbekannte Mentoren-Programme auf den Kopf. Denn hier sollen erfahrene Führungskräfte innehalten und von den Jüngeren lernen.

„Solche Programme gibt es zwar schon seit etlichen Jahren, aber sie erfahren heute, im digitalen Zeitalter, eine besondere Dynamik.“, sagt der Soziologe Werner Bruns von der Rheinischen Fachhochschule Köln. „Wenn es um soziale Medien, Trends im Netz, Käuferverhalten, Employer Recruiting oder moderne Arbeitsbedingungen geht, sind die Digital Natives beim Wissens- und Erfahrungs-Transfer potentielle Ansprechpartner.“

Die Erfahrungen der Digital Natives sind komprimierter, nicht über lange Jahre erworben, sondern in kurzen Zyklen angeeignet, oft in nur zwei bis drei Jahren, mit permanent sich ändernden Blickwinkeln, nicht nur analog aufbauend, sondern digital, sprunghaft und spontan.

Reverse Mentoring, darauf weist Professor Schwuchow vom Lehrstuhl für Internationales Management der Uni Bremen hin, hat – abgesehen von der Vermittlung von Inhalten - einen ganz besonderen Vorteil: „Das Programm bricht die Hierarchien auf!“ Gemeinsames Lernen zwischen den Generationen werde möglich und altes Top-Down-Denken relativiert.

Voraussetzung für die Bildung von Reverse-Mentoring-Teams ist, dass die Mitglieder keine Schnittmenge bei der täglichen Arbeit haben und nicht in direkter Berichtslinie zusammenarbeiten. Außerdem haben jüngere Mitarbeiter dadurch ein ‘Sprachrohr nach oben‘. Reverse-Mentoring-Programme gibt es bereits in etlichen international agierenden Firmen wie z.B. Lufthansa, IBM, VW, Telekom, Bosch und Henkel. „Im Mittelstand ist das noch nicht in der Breite angekommen.“, sagt Betriebswirtschaftler Schwuchow. „Dort wird das eher informell geregelt.“


Quelle: Süddeutsche Zeitung, 29./30.09.18, S. 61