Auf diese Frage geht Regine Stachelhaus, Ex-Vorstand E.ON und mehrfache Aufsichtsrätin, in der Wirtschaftswoche (Nr. 22 v. 22.05.15) ausführlich ein.

Sie zitiert Angela Merkel, die gesagt haben soll: „Frauen müsste man immer 5 Minuten mehr Redezeit einräumen.“, denn: niemand hört in den ersten 5 Minuten zu. Alle taxieren nur ihr Äußeres. Ob Modepüppchen oder harte Herrscherin - Öffentlichkeit und Medien schenken dem Auftreten von Frauen in der beruflichen oder medialen Öffentlichkeit überproportional viel Beachtung.

„Ziemlich ratlos kam kürzlich eine Kollegin von einer Trainings-Veranstaltung zurück. Sie hatte dort gelernt, dass man keinen auffälligen Ohrschmuck tragen darf, sich niemals mit dem Handtäschchen ablichten lassen soll und – was wir eigentlich schon geahnt hatten – dass die Blusenknöpfe im Zweifel geschlossen bleiben. Wer Karriere machen will, muss Hosenanzug oder Kostüm in gedeckten Farben tragen. Frau darf keinesfalls zu viel lächeln, schon gar nicht, wenn sie Anweisungen gibt. Die dünne Stimme muss auf eine Oktave tiefer trainiert werden.“

Regine Stachelhaus, die ab sofort regelmäßig für die Wirtschaftswoche schreiben wird, fährt fort: „Macht ist hierzulande männlich. Das heißt groß, raumgreifend und mit sonorem Sprachorgan ausgestattet. Es gibt genügend Untersuchungen, wonach feminines Auftreten mit mangelndem Durchsetzungsvermögen und Inkompetenz gleichgesetzt wird. Frauen mit männlichem Outfit und Machogehabe hingegen wirken im besten Fall unecht, im schlechtesten Fall unsympathisch. Eine Gemengelage, in der Frau nur verlieren kann. Schade. Denn es liegt nicht an den Frauen, sondern an unseren einseitigen und längst überholten Rollenbildern, dass wir so denken. Dabei äußert sich weibliche Durchsetzungskraft nur anders, nämlich selten mit einer Faust auf dem Tisch, sondern durch Hartnäckigkeit und Eigensinn. Die Wirkung ist die gleiche.“