Mit dieser Überschrift erschien Heft 5/2015 der Zeitschrift Praxis Kommunikation. Angewandte Psychologie in Coaching, Training und Beratung. Die 20 Artikel dieses Hefts beschäftigen sich vordringlich mit den Zielen der sogenannten „Positiven Psychologie“. Artikel-Überschriften wie „Formel für ein Gelingendes Leben“, „Glück für Drei Stunden“, „Wo geht’s lang zum Glück?“ machen deutlich, womit sich die unterschiedlichen Autoren, zumeist aus der Gruppe der NLP-Psychologie und NLP-Praktiker, in diesem Heft vordringlich beschäftigen.

Der Kölner Wirtschafts-Journalist Malte Buhse schreibt in der Wirtschaftswoche Nr. 49 v. 27.11.2015: „Glücklichsein wird überschätzt.“ und mokiert sich über die Vertreter der Positiven Psychologie, die er „Happiness Economics“ nennt und von denen er behauptet, sie nähmen die Suche nach dem Glück sehr ernst, zu ernst. Buhse hinterfragt vor allem die allgemein vertretene Meinung, nur fröhliche Menschen seien erfolgreich. Er schreibt: „Unsinn, sagen inzwischen viele Psychologen. Auch schlechte Laune kann wertvoll sein!“ Und verweist zur Begründung auf eine Reihe von einschlägigen neuesten Büchern und Studien.

Der Psychologe Todd Kashdan von der George-Mason-Universität (USA) hat gemeinsam mit dem Psychologen Robert Biswas-Diener ein Buch geschrieben Die Kraft der negativen Emotion, in dem die beiden ‘Unglücksforscher‘ schildern, warum es nicht immer das Beste ist, einfach gut drauf zu sein – und wie wichtig die dunkle Seite der Seele ist. Wut, Scham, Schuld, Trauer und Angst: Diese Gefühle sind keine Fehler in unserem System. Sondern hilfreiche und sinnvolle Emotionen, die wir produktiv nutzen können. Der niederländische Psychologe Jeffrey Wijnberg sieht das genauso. In seinem kürzlich erschienenen Buch Diktatur des Glücks schreibt er: „Die Suche nach dem Glück ist zu einem Trend geworden, der sich in den vergangenen Jahren immer weiter verstärkt hat. ... Wie eine politische Korrektheit gibt es auch eine psychologische Korrektheit, die besagt, dass positive Emotionen immer besser sind als negative. Über Zufriedenheit und Glück sprechen viele lieber, als über Wut, Aggression, Missgunst und Trauer.“ Das sei verständlich, aber auch gefährlich, findet Wijnberg. Denn es blendet einen großen Teil des Lebens aus. Und es kann dazu führen, dass sich Menschen, die nicht ständig glücklich sind, Vorwürfe machen und Angst vor Nebenwirkungen dunkler Gefühle haben. Er sagt: „Negative Gefühle sind extrem wichtig, sie erzeugen Antrieb und Motivation.“

Auch die Psychologin Julie Norem vom US-amerikanischen Wellesley-College misstraut den Versprechungen der Glücksforschung. „Nicht die Glücklichen sind erfolgreich, sondern die Zweifler, Nörgler und Schwarzseher. Dahinter steckt oft eines der stärksten menschlichen Gefühle: Angst … Und Angst ist eine sehr intensive Emotion, die aber deswegen auch die Sinne schärft … Pessimismus kann eine sehr erfolgreiche Strategie sein, denn dadurch finden wir Fehler und vermeiden sie künftig. … Der Grund: Wenn wir gut gelaunt sind, beschäftigen wir uns weniger mit Details und neigen zu schnellen Schlüssen. Negative Gefühle wie Angst und Unsicherheit erhöhen hingegen die Aufmerksamkeit.“ Norem schreibt weiter, es stimme offenbar, dass jedes Team einen Optimisten und einen Pessimisten haben sollte. Leider sei diese Regel in den vergangenen Jahren durch den Hype um die gute Laune in Vergessenheit geraten.