Die Digitalisierung erfordert einen Transformations-Prozess in der Wirtschaft. Die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen machen deshalb auch eine neue Art von Führungsstil notwendig. Für diese neue Art der Führung hat sich die Bezeichnung Digital Leadership etabliert. Im Digital Leadership spielt die Ambidextrie (Beid-Händigkeit) eine zentrale Rolle: Sie bedeutet die Sicherstellung des laufenden Geschäfts einerseits (mit der einen Hand) und das Sich-selbst-in-Frage-Stellen andererseits (mit der anderen Hand). Julia Duwe beschreibt Ambidextrie in ihrem Buch Ambidextrie, Führung und Kommunikation (Wiesbaden 2016/Springer Fachmedien) ungefähr so: Der Digital Leadership Manager arbeitet zwischen Effizienz und Experiment. Er muss das Kerngeschäft optimieren und gleichzeitig innovativer sein denn je.

Welche Fähigkeiten werden gebraucht im Digital Leadership? Kienbaum-Partner Hans Ochmann beschreibt sie wie folgt: „Wir werden deutlich mehr Kollaboration und Austausch der Mitarbeiter sehen. Das Arbeitsumfeld muss so organisiert sein, dass sich diese Anforderungen umsetzen lassen. Der zweite Punkt ist die Frage nach Kundenorientierung. Wie schnell kann ein Unternehmen auf die Anforderungen des Marktes reagieren? Er verändert sich immer schneller. Die Entwicklungszyklen werden immer kürzer. Design Thinking, also die Ausrichtung der eigenen Organisation auf neue Kundenbedürfnisse rückt in den Vordergrund. … Chefs müssen in Zukunft die Mitarbeiter viel stärker motivieren. Sie müssen sinnstiftend wirken. Dafür brauchen sie Charisma. Denn vor allem die junge Generation erwartet, dass sie in einem Betrieb dessen Wertesystem vermittelt bekommt. Bei den Babyboomern, die heute noch zum großen Teil die Führungspositionen besetzen, heißt es noch „für die Arbeit leben“, bei der Generation Y heißt es „leben und arbeiten“, aber bei der ganz jungen Generation Z, die nach und nach ins Arbeitsleben kommt, „erst leben, dann arbeiten“. Sinnstiftung und Motivation sind vor allem für diese Generation besonders wichtig.“

Was Ochmann „mehr Kollaboration und Austausch der Mitarbeiter“ nennt, heißt bei dem bekannten Management-Autor Reinhard Sprenger „eine Kultur des Füreinanders“. Sprenger definiert das so: „Beim Füreinander ist die Kooperation selbstgewollt. Die beteiligten Partner beabsichtigen nicht nur ihr eigenes Handeln, sondern sie beabsichtigen das gemeinsame Handeln. … Dabei ist eine Aussage wie ‘Das ist nicht mein Problem.‘ nicht zu tolerieren. Wer die Kultur des Füreinanders dementiert, gehört nicht mehr dazu.“

Viele Unternehmen schulen ihr Führungspersonal schon auf die neuen Aufgaben im digitalen Zeitalter. Auch die Hochschulen und Business Schools vermitteln Managern und solchen die es werden wollen die nötigen Kompetenzen. Die Goethe Business School in Frankfurt/Main bietet im WS 17/18 einen berufsbegleitenden Master of digital Transformation Management über 3 Semester. Auch die Limak Austrian Business School in Linz bot in diesem Semester erstmals das MBA-Programm „New Business Development in the Digital Economy“ an. Die Cologne Business School bietet ähnliche Programme an.

Quellen:
Der Chef wird Moderator – Süddt. Zeitung v. 16.02.18, S. 35
Du + Ich = Wir – WirtschaftsWoche v. 26.01.18, S. 86