Prof. Hackl hat untersucht, wie viele deutsche Firmen neue Arbeitsformen einführen – und was am meisten Zufriedenheit bei den Mitarbeitern bringt. Das Ergebnis: 70 % der Befragten haben oder planen offene Bürolandschaften. Bei solchen Maßnahmen gibt es keine Widerstände. Anders ist es, wenn Hierarchien abgebaut werden sollen. Das sei schwieriger, bringe aber sehr viel mehr. Nur: Zu solchen Änderungen ringt sich gerade mal ein Viertel der Firmen durch.

Jens Knut Fabrowski von der Bosch-Sparte Automotive Electronics berichtet, als Tesla Elemente für seine Elektroautos bestellte, hätten die Bosch-Entwickler drei Jahre als Lieferfrist angegeben. Tesla hat Lieferung binnen neun Monaten verlangt. Er fügt hinzu: „Kunde Apple verlangt Lösungen binnen einer Woche!“ Fabrowski sagt, die Hierarchieebenen werden weniger, überall. Früher habe er bei Besuchen in Werken in aller Welt stundenlange Präsentationen im Konferenzraum erlebt; heute redet er direkt mit Team-Führern.

Personalprofessor Stephan Fischer von der Hochschule Pforzheim beobachtet Firmen, bei denen Mitarbeiter selbständiger und verantwortlicher werden sollen.

Fazit: Es gibt zwei Hindernisse.
Chefs, die nicht loslassen und Mitarbeiter, die nicht ran wollen. Wie radikal sich Hierarchien verändern lassen, probieren sie bei der Haufe-umantis AG. Die entwickelt Software, die hilft, Mitarbeiter zu gewinnen und ihre Leistung zu steigern. Die rund 150 umantis-Leute haben viel zu sagen. So entscheidet ein Team selbst, was ein Neueingestellter verdient. Dafür muss aber erst einmal jeder im Team offenlegen, was sie/er verdient. „Das ist in deutschen Firmen die heilige Kuh, die normalerweise keiner schlachtet.“, sagt Prof. Fischer. Die umantis-Leute haben 2013 Marc Stoffel zum CEO gewählt. Sie haben ihn auch schon einmal bestätigt. Nächstes Jahr könnte er wieder abgewählt werden. Stoffel sagt: „Dieses Wahlmodell führt dazu, genauer zu kontrollieren, was der auf Zeit Bestimmte in seinem Amt leisten will – und was er letztlich hinbekommt.“ Rasantes Wachstum der Firma scheint ihm Recht zu geben. Stoffel berät inzwischen andere Firmen, die ein ähnliches Modell ausprobieren wollen. Er sagt, er kenne einen Dax-Konzern, in dem demnächst Führungskräfte gewählt werden sollen.

Audi mit 60.000 Mitarbeitern in Deutschland ist dabei, sich eine neue Strategie zu geben. Eines der vier neuen Unternehmensziele heißt jetzt ‘Agilität‘. Prof. Stephan Fischer definiert den neuen Zauber-Begriff als Fähigkeit einer Firma, sich kontinuierlich an eine komplexe, sich verändernde Umwelt anzupassen: „Dazu muss man Veränderungen antizipieren und schnell reagieren.“

Quellen:
Süddeutsche Zeitung v. 22./23.10.16: „Der erleuchtete Mitarbeiter“
Süddeutsche Zeitung v. 15.11.16: „Die Zukunft der Arbeit“