… als Sklave der Technik sein.“ Das empfahl die Digital-Therapeutin Anitra Eggler ihren ca. 1.000 Zuhörern auf dem 9. Oberbayerischen Wissensforum in Rosenheim (20.03.2015). Sie schilderte ihren Zuhörern, wie schnell die Lebensfreude durch unkontrollierten Einsatz digitaler Geräte verloren gehen kann. Sie empfahl, einmal wieder ‘Urlaub im Funkloch“ zu machen und forderte von den Managern: „Handy aus – Leben  an!“. Sie sprach über Rezepte, um ‘E-Mail-Wahnsinn‘ und ‘Facebook-Inkontinenz‘ zu heilen. „Wir müssen die Geräte so konfigurieren, dass sie uns nicht versklaven, sondern nutzen.“, sagte sie und kritisierte, Multitasking mache erfolglos, nur Sklaven seien ständig erreichbar.
Quelle: Chiemgau Zeitung 23.03.15, S. 35

Ganz ähnliche Formulierungen benutzt der Ex-3M-Manager und aktuelle Management-Autor Reinhard Sprenger in einem Artikel der WiWo unter der Überschrift „Mal den Stecker ziehen. – Wie Manager aus der Rolle des Technik-Sklaven zu Reflexion und Selbstbestimmung zurückkehren.“ Sprenger schreibt: „Das Freiheitsparadox wuchert. Je mehr technische Möglichkeiten wir zur Verfügung haben, desto mehr leiden wir unter dem Druck, sie zu nutzen. Wenn es eines gibt, das alle Manager verbindet, dann ist es der Zeitmangel. Zeit, die ihnen von einem immer zudringlicheren technokratischen Apparat gestohlen wird, einer Mischung aus E-Mail, Smartphone und Bürokratie. Und es wird immer schlimmer – wenn man nichts dagegen unternimmt. … Der kanadische Managementforscher Henry Mintzberg beobachtete einst, dass Führungskräfte alle 20 Minuten bei ihrer Arbeit unterbrochen werden – oder sich unterbrechen lassen. Diese Zeit hat sich bis heute wohl halbiert!“
Sprenger ist überzeugt, dass „Räder anhalten, einen Moment zur Ruhe kommen“ keine Zeitverschwendung ist, sondern – für Führungskräfte – außerordentlich nützlich. Man brauche die gewonnene Zeit, um sich in Analysen zu vertiefen, Dingen auf den Grund zu gehen. „In Zeiten alltagshektischer Pausenlosigkeit und Machbarkeitsfantasien, der Zeitverdichtung und des Sofortismus gilt es, Tempo rauszunehmen, wo es höhere Produktivität verspricht.“ Zum Thema „den Verlockungen widerstehen“ erinnert Sprenger an Odysseus, der sich an den Mast binden ließ, um der Verlockung der Sirenen widerstehen zu können.
Quelle: Wirtschaftswoche vom 23.03.2015, S.78

Und noch eine interessante, leicht makabre Stellungnahme zu ‘E-Mail-Wahnsinn‘ und ‘Facebook-Inkontinenz‘ aus dem Literatur-Bereich. Der große Kritiker und Autor Fritz J. Raddatz, der sich Anfang diesen Jahres das Leben nahm, schrieb in dem Abschiedsbrief an seinen langjährigen Verleger Alexander Fest, Chef des Rowohlt Verlags, kurz vor seinem Tode: „Ich irre durch eine taube, echolose Welt … Meine Phantasie läuft nicht in den Bahnen von Algorithmen, mein Denken ist nicht digital, meine Sehnsucht kann nicht twittern, meine Träume gibt es nicht per Facebook!“
Quelle: DIE ZEIT vom 19.03.2015, S. 50