Was genau ist das eigentlich, Resilienz? Der Begriff kommt ursprünglich aus dem Lateinischen: resilire heißt zurückspringen, abprallen. Wikipedia definiert Resilienz als die “Fähigkeit, auf Situationen flexibel zu reagieren und mit schwierigen Lebenssituationen gut umgehen zu können“ und benutzt als bildhaftes Beispiel den Begriff des Stehaufmännchens.

Die freie Journalistin Dr. Stefanie Maeck schreibt in Spiegel online vom 03.02.2013 über das Geheimnis psychischer Stärke: Die Unverwundbaren. Resilienz wird thematisiert in Ökosystemen, in der Psychologie, in technischen Systemen (Fehler-Toleranzen) und in den Wirtschaftswissenschaften. Da spricht man auch von Resilienz-Management.

Prof. Edeltraut Günther schreibt im Gabler Wirtschaftslexikon: „Unternehmerische Resilienz ist die Eigenschaft eines Unternehmens, externe Schocks oder Verwerfungen der sozialen, wirtschaftlichen oder politischen Rahmenbedingungen auszuhalten und sich an die neuen Bedingungen anzupassen.“

Wenn wir zu der Frage zurückkehren: „Kann man Resilienz lernen?“, dann begeben wir uns in erster Linie in den Bereich der Psychologie. Psychologen, Coaches, Unternehmensberater bieten seit geraumer Zeit Trainings an, in denen Resilienz trainiert wird. Amazon bietet eine ganze Palette an Büchern, die sich mit Resilienz-Training beschäftigen.

Einer der bekannteren Resilienz-Trainer, Karsten Draht, hat sich kürzlich zu diesem Thema in einem umfassenden Zeitungs-Interview geäußert (Chiemgau Zeitung vom 02.03.2015: „Mehr Kraft in Krisenzeiten“). Er sagt: „Es gibt die sogenannte rohe Resilienz, die in der Persönlichkeit von Geburt an angelegt ist. Die anderen Aspekte erlernen wir im Verlauf des Lebens. Und zwar durch Erfahrungen, die wir machen und durch Krisen, die wir überstehen – und dabei lernen: Wie ziehe ich mich selbst wieder aus dem Sumpf? Mein Job ist es, mit Menschen in Führungspositionen daran zu arbeiten, ihre angelegten Fähigkeiten zu stärken. Dabei geht es darum, eine innere Souveränität zu entwickeln, um weniger getrieben zu sein und selbst in schwierigen Situationen gestalten zu können. Aber auch darum, die Sorge für das persönliche Wohl nicht aus dem Auge zu verlieren und seelisch, körperlich und mental stark zu bleiben. Ich arbeite nach dem Modell: ‘Die sieben Sphären der Resilienz‘, dessen Ansätze auf internationaler Forschung beruhen. Stellen Sie sich eine Kugelschale vor, in deren Mitte als Kern die Persönlichkeit sitzt. Drum herum bauen sich Schichten auf, nämlich: Biografie, innere Haltung, Ressourcen, Hirn-Körper-Achse, Beziehungen und Authentizität – und die alles umschließende Schicht: Sinn. Diese 7 Ebenen schaue ich mir beim Coaching genau an, analysiere sie und arbeite sie mit meinen Klienten durch. Wer seine Resilienz stärken will, muss bereit sein, emotionale und kognitive Fitnessarbeit zu leisten. Dauerhaftes Training und eine Änderungsbereitschaft sind dafür ebenso eine Voraussetzung, wie eine gute Gesundheit. Deshalb brauchen Menschen mit Burn-out oder einer Depression zunächst medizinische Hilfe – und erst danach ein Coaching.“

Draht beschreibt in diesem Interview einige interessante Beispielsfälle, u.a. auch aus der Politik. Er meint, Angelika Merkel habe über die Jahre deutlich an Resilienz zugelegt; Ex-Bundespräsident Köhler habe ganz offensichtlich nicht genügend Resilienz gehabt – und sei wegen einer Nichtigkeit zurückgetreten. Und Ex-Bundespräsident Wulff habe nach seinem Rücktritt durch sein offensives Vorgehen (insbesondere durch die Verteidigung in seinem Buch) Resilienz wieder aufgebaut, so dass er heute allmählich in die Öffentlichkeit zurückzukehren bereit und in der Lage sei.

Wer mehr über Resilienz erfahren möchte, dem sei der vielmonatige Spiegel-Bestseller empfohlen: Christina Berndt: Resilienz. Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft. DTV TB 24976. 280 S. 14,90 Euro.