Das heißt, wie intelligent ein Chef sein sollte, um Führungsfunktionen effizient und effektiv wahrnehmen zu können, hängt ab von der Intelligenz der Menschen, die er/sie führt. Diese Behauptung stammt von dem Neurologen Dr. Henning Beck, bekannter Autor und „Deutscher Meister im Science Slam“ (einer neuen Form moderner Wissenskommunikation).

Beck geht der Frage nach: „Welche Eigenschaft ist für eine Führungskraft am wichtigsten? Empathie? Entscheidungsstärke? Offenheit? Wenn es nach der Hirnforschung geht, ist die Antwort klar: Intelligenz. Kluge Menschen sind nachweislich erfolgreicher und landen nicht nur in besser bezahlten, sondern auch in verantwortungsvolleren Jobs. Doch bei der Intelligenz gibt es ebenfalls zu viel des Guten. Denn dass ein hoher IQ automatisch zu besserem Führungsverhalten führt, ist genauso ein Mythos wie die Kraft der emotionalen Intelligenz, welche wissenschaftlich schwer messbar ist.“

Intelligenz wird im IQ-Test gemessen/ermittelt indem man die Testanten Logikrätsel knacken und Zahlenreihen ergänzen lässt. Das schafft selbst ein soziophober Mathematik-Nerd. Und der ist selten ein charismatischer Anführer. Der reine IQ sagt nichts darüber aus, wie gut sich ein Mensch z.B. als Personalverantwortlicher schlagen wird. Untersucht man nämlich, wie Intelligenz und Führungsqualität zusammenhängen, so stellt sich heraus, dass Chefs mit einem IQ von bis zu 120 gute Führungsleistung erbringen, bei höherem IQ die Führungsleistung des Vorgesetzten jedoch nachzulassen droht. Die Forschung sagt: Hochintelligente kümmern sich offenbar weniger darum, auf Mitarbeiter positiv und unterstützend einzugehen, weil sie davon ausgehen, dass die Mitarbeiter komplexe Probleme genauso schnell lösen wie sie selbst. Das kann aber nur funktionieren, wenn die Mitarbeiter entsprechend qualifiziert sind.

Folgert Dr. Beck: „Ob sich Intelligenz positiv auf den Führungsstil auswirkt, hängt also nicht nur vom Häuptling ab, sondern auch von den zu führenden Indianern. … Entscheidend ist nicht der absolute IQ des Vorgesetzten, sondern derjenige relativ zur Gruppe. Verschiedene Studien konnten zeigen: Chefs sind dann am besten, wenn ihr IQ etwa sieben Punkte höher liegt als der Durchschnitt der Gruppenmitglieder. Selbst der hochintelligenteste Streber könnte also zum Alphatier werden, so lange er ausschließlich von ähnlich cleveren Typen umgeben ist.“

Quelle: WirtschaftsWoche v. 12.01.2018, S. 87