Was ist denn das? Wörtlich übersetzt heißt es: Verkörperung. Es ist ein Begriff, der in der Wissenschaft die Wechselwirkung zwischen Körperhaltung und Psyche benennt und seit etwa 30 Jahren Experimental-Psychologen zunehmend beschäftigt.

Die Psychologin Dr. Amy Cuddy von der Harvard Business School präsentierte im vergangenen Jahr recht interessante Ergebnisse: Sie fand heraus, dass es sich mithilfe von 5 körperlichen Power-Posen, die jeweils für 2 Minuten eingehalten werden, besser verhandeln, ja sogar besser leben lässt. Ein Beispiel ist die „Victory Pose“ (Arme in die Luft reißen, in V-Haltung und das Kinn in die Luft strecken). Diese Pose soll risikofreudiger und überzeugender machen. Andere Erkenntnisse führen zu noch erstaunlicheren Experimenten. „Vor einem wichtigen Gespräch … könnten Sie sich für eine Weile ein Essstäbchen horizontal zwischen die Zähne klemmen. So werden Muskeln angesprochen, die beim Lächeln aktiv sind. Die Stimmung hebt sich automatisch. … Drückt man mit den Handflächen von unten gegen die Schreibtischplatte, so aktiviert das den Bizeps – und unser archaisch programmiertes Gehirn erkennt dies als Willkommensgeste, es stimmt sich positiv auf die folgende Situation ein.“
Auch wird behauptet, dass wir mit gebeugtem Rücken negative Nachrichten auch negativ verarbeiten, ihnen dagegen mit aufrechter Haltung sehr viel gefasster begegnen.

Die Wissenschaftlerin Dr. Maja Storch von der Universität Zürich hat sich intensiv mit Embodiment und deren Erkenntnissen befasst und kommentiert sie kritisch. Ihre Untersuchungen aus dem Jahr 2015 haben zwar ergeben, dass solche Posen das persönliche Machtempfinden beeinflussen und die Probanden in ihren Experimenten sich dadurch selbstsicherer fühlten. Allerdings steht sie diesen Ergebnissen doch recht distanziert gegenüber und rät deutlich davon ab. „Das sieht zwar vielleicht stark aus, hat aber etwas Irritierendes weil es nicht echt ist.“ Sie meint, kein Mensch solle sich selbst verstellen müssen, um sich passend zu machen für andere Menschen oder Herausforderungen.

Fest steht jedoch: Es hilft vielen, sich die eigene Körperhaltung vor wichtigen Situationen bewusst zu machen – um sich selbst bewusst zu werden.

Literatur: Amy Cuddy, Power-Posing. Little Brown Co., 2015
Quelle: Brigitte Woman, 03/2016, S. 20-22