Beim Pharma-Unternehmen MSD Sharp & Dohme in Haar bei München spricht man auch von ‘Corporate Responsibility‘ und bietet unter diesem Etikett den 1.800 Mitarbeitern ein ‘Corporate Volunteering‘-Programm: 20 Stunden im Jahr dürfen sie der Arbeitsstelle entfliehen und sich sozial engagieren. Währenddessen bekommen sie das volle Gehalt. Ein Beispiel: Die Projektmanagerin Carolin Lerch arbeitet jeweils einen Tag im Clemens-Maria-Kinderheim als Store-Managerin des heimeigenen Second-Hand-Ladens. Ihr Arbeitsbereich: Gespendete Hosen, Hemden, Schlafanzüge und andere Kleidungsstücke annehmen, sortieren, stapeln und sie dann für ein paar Cent verkaufen. „Doch hier geht es nicht um Business.“, sagt sie, „Die Kinder müssen nur bezahlen, damit sie lernen, dass Klamotten was kosten.“ Hier kann Frau Lerch anpacken und findet sich plötzlich in einer ganz anderen Welt wieder. Es macht sie nachdenklich: „Es erdet mich, wenn ich die Kinder sehe, denen es nicht ganz so gut geht.“

Immer mehr Unternehmen in Deutschland nutzen solche Programme. Ob Allianz, Microsoft, Deutsche Bank, Adidas oder RWE – schon im Jahr 2013 setzten drei Viertel aller deutschen Großunternehmen auf ‘Corporate Volunteering‘. Denn: ‘Corporate Volunteering‘ ist gut fürs Image, trainiert die sozialen Fähigkeiten der Mitarbeiter und motiviert sie. Es gibt inzwischen auch dokumentierte Erfahrungen mit sozialen Einsätzen von mehr als nur einem Tag. Anke Helten, Senior PR-Managerin der Deutschland-Zentrale vom weltweit sechstgrößten Gesundheitsunternehmen GSK (Glaxo Smith Kline) tauschte für ein halbes Jahr ihr klimatisiertes Büro im Villenviertel Bogenhausen (München) gegen ein Freiwilligen-Programm in Rumänien. Statt in Deutschland für Grippemittel zu werben, sollte sie in Bukarest Spenden für ein Hospiz sammeln. Das war vor vier Jahren. Noch heute zehrt sie von ihren Erfahrungen: „Meine Zeit in Rumänien war ein wichtiges Incentive!“

Der Sozialpädagoge Michael Reichert von der Münchener Caritas ist seit Jahren darauf spezialisiert, für interessierte Unternehmen den Kontakt herzustellen zu förderungswürdigen sozialen Projekten. Ihm geht es weniger um einmalige oder kurzzeitige Einsätze. Er schaut mehr auf die Nachhaltigkeit. „Wenn die Zusammenarbeit langfristig ist und die Freiwilligen sich mit ihren speziellen Fertigkeiten einbringen, können sie wirklich etwas Nachhaltiges schaffen.“, sagt er und berichtet von einem Unternehmen, das einen ‘Social Day‘ veranstaltet habe, bei dem hunderte Kollegen an einem einzigen Tag einen Spielplatz gebaut hätten.

‘Corporate Volunteering‘ ist im besten Fall eine Win-win-win-Situation. Hilfsbedürftige, Mitarbeiter und Unternehmen profitieren gleichermaßen.

Quelle: Süddt. Ztg. v. 17./18.10.2015, S. 66