Thomas Weegen

Unternehmen im Jahr 2025

Interview mit Thomas Weegen, Geschäftsführer und Berater bei Coverdale Deutschland

 

Welchen Zustand wird ein Unternehmen nach einer Transformations-Phase haben bzw. welchen Zustand sollte es haben, damit es im Markt bestehen kann?

Es wird wesentlich flexibler und anpassungsfähiger sein. Das heißt aber nicht, dass alle Bereiche im gleichen Maße agil sein müssen. Im Gegenteil, bei manchen Organisationseinheiten macht es Sinn, diese zunächst klassisch weiterzuführen, wie zum Beispiel die Buchhaltung, um der Organisation auch im Wandel insgesamt Stabilität zu verleihen und das Tagesgeschäft am Laufen zu halten. Andere Einheiten wiederum, wie die Produktentwicklung, können verhältnismäßig einfacher und schneller in eine agile Struktur und Arbeitsweise überführt werden. Wir werden also hybride Organisationsformen haben mit agilen und klassischen Bereichen je nach Notwendigkeit. Wichtig wird hierbei sein, die ‘alte‘ und die ‘neue‘ Welt gleichermaßen wertzuschätzen und den Daseinszweck beider Welten auch gut in die Organisation zu kommunizieren.

 

Welche Fähigkeiten sollten Führungskräfte als auch Mitarbeiter entwickelt haben, um in der Zukunft am Markt zu bleiben?

Führungskräfte müssen lernen, loszulassen und gleichzeitig bessere Antennen entwickeln, wo sie genauer hinschauen müssen. Nicht neu, aber noch wichtiger: Führen mit Sinn und Verstand. Aufträge ohne nachvollziehbaren Sinn funktionieren in Zukunft nicht mehr. Das war schon immer schlecht, in Zukunft werden Aufgaben und auch Führungskräfte selbst ohne nachvollziehbaren Sinn aber nicht mehr bestehen. Menschen sind heute immer weniger durch extrinsische Faktoren wie Bonuszahlungen oder Gehaltserhöhungen motivierbar. Wonach Menschen in ihrer Arbeit suchen, ist Sinn. Und dieser Sinn entsteht, indem dem Mitarbeiter aufgezeigt wird, wie das, was er leistet, zum großen Ganzen, dem Unternehmensziel beiträgt. Das zu vermitteln, wird eine der größten Herausforderungen für Führungskräfte werden.

Wofür alle Menschen in der Organisation Verantwortung übernehmen müssen, sind 4+1-Fokusse: Den Kunden und das Ziel bei allen Tätigkeiten im Auge behalten, vorhandene Stärken und Potenziale aller sinnvoll nutzen, den Umgang miteinander so gestalten, dass er die positive Energie im System fördert sowie die Weiterentwicklung des Systems auf drei Ebenen gewährleisten: Erstens auf Produkt- und Dienstleistungsebene, zweitens in Bezug auf Strukturen und Prozesse, aber vor allem auch auf der persönlichen Ebene. Und das alles schafft man letzten Endes nur, indem man den +1-Fokus – nämlich den Dialog zwischen allen Beteiligten – sicherstellt.

Und dann kann eine Organisation auch in 2025 und darüber hinaus erfolgreich bestehen und agieren.

 

Welche Rolle spielt Führung während der Transformations-Phase?
Welche Rolle wird Führung in Unternehmen auf lange Sicht einnehmen?

Während der Transformations-Phase geht es im Wesentlichen darum, den Dialog über alle Bereiche und alle Ebenen im Unternehmen stark zu fördern, um neue Perspektiven zu ermöglichen, und mit allen Beteiligten immer wieder den Helikopterblick einzunehmen.

Die Rolle der Führungskraft wandelt sich weg vom Anführer hin zum Gestalter eines Rahmens, in dem eine zielgerichtete und koordinierende Selbstführung aller Mitarbeiter stattfindet. Es gilt, den Rahmen zu definieren und die Mitarbeiter zu befähigen, in dem Rahmen im Sinne der Unternehmensziele erfolgreich zu agieren.