Nicole Lämmle

Transformation - Geschieht das jetzt auch in meiner Organisation?

Interview mit Nicole Lämmle, Beraterin und Trainerin bei Coverdale Deutschland

 

Transformation - Geschieht das jetzt auch in meiner Organisation?

Zunächst einmal ist es wichtig, wahrzunehmen, dass Transformation nicht ‘einfach passiert‘ oder überfallartig über eine Organisation hereinbricht. Sich in einen Transformations-Prozess zu begeben erfordert eine bewusste und aktive Entscheidung. Erfolgreiche Transformation kann nicht – wie ein regulärer Change-Prozess – einfach angeordnet und nach einem Masterplan abgearbeitet werden, denn sie vollzieht sich im Wesentlichen im Innen der Organisation und der Menschen.

 

Welche Unternehmen sind betroffen?

‘Betroffen‘ trifft, wie gesagt, nur bedingt zu. Wir können aber fragen, für wen es Sinn macht, sich mit Transformation zu beschäftigen. Dazu ist es sinnvoll, wahrzunehmen, dass wir in einer Welt der permanenten Veränderung leben und agieren – angetrieben von teils globalen Phänomenen wie Digitalisierung, Industrie 4.0, New Work, zunehmendem Fachkräftemangel und immer schneller werdenden Produktlebens- und Innovationszyklen. Dadurch wandeln sich nicht nur einzelne Umweltparameter, sondern ganze Wirk- und Interaktionskontexte.

Besonders Unternehmen, deren Umfeld durch gesetzliche Vorgaben und Auflagen oder durch eine besonders intensive internationale Verflechtung einem radikalen Wandel oder großen Kontextsprüngen unterworfen ist, werden diesen Druck früher und intensiver wahrnehmen. Das gilt momentan zum Beispiel für den Energiesektor oder auch die Automobilbranche; allerdings werden bei der Veränderungsdynamik, die zu beobachten ist, schon morgen Branchen betroffen sein, die aktuell als stabil gelten.

Eine Organisation kann als lebendes System durch diese äußeren Kräfte zwar unter Druck gesetzt, beengt oder angetrieben werden, aber wie ihre Antwort darauf ausfällt, ist eben eine individuelle Entscheidung. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie starr oder flexibel die Organisation auf Einflüsse von außen reagieren kann und wie starr oder flexibel die Vorstellungen sind, wie Prozesse, Strukturen und Arbeitsweisen zu sein haben. Das wird entscheidend sein, wenn es darum geht, sich optimal und resilient für eine immer weniger vorhersagbare Zukunft aufzustellen.

Von daher ist es auch gar nicht empfehlenswert, eine Organisation oder ein Team gegen Transformation zu ‘impfen‘, sondern vielmehr ihre Transformationskräfte zu stärken.

 

Wer sind die Akteure innerhalb einer sich transformierenden Organisation?

Transformation ist ein Prozess, der sich nicht exklusiv und hinter verschlossenen Türen im Management vollziehen kann. Eine erfolgreiche Transformation bezieht immer das komplette Betriebssystem für Führung und Zusammenarbeit (Human Interaction Operating System, kurz: HIOS) mit ein und setzt neben der Veränderung von Prozessen und Strukturen im Wesentlichen an der Unternehmenskultur und seinen Trägern an: den Menschen. Führungskräfte wie Mitarbeiter sind dabei die Hauptakteure und Schlüsselressourcen in der Transformation und müssen mit ihrer inneren Haltung, all ihren Stärken und Bedürfnissen, aber auch mit all ihren Vorbehalten, Ängsten und Fragen betrachtet und einbezogen werden.

Gerade Führungskräfte spielen eine zentrale (Doppel-)Rolle in diesem Prozess: Ihre Rolle wandelt sich weg vom Anführer hin zum Gestalter eines Rahmens, in dem die Mitarbeiter durch mehr Selbstorganisation und Eigenverantwortung im Sinne der Unternehmensziele wirken und sich verwirklichen können. Gleichzeitig muss die Führungskraft neben ihrer eigenen Transformation für die Mitarbeiter da sein, sie ermutigen, auf Fragen reagieren, auf die sie vielleicht selbst noch keine Antwort haben. Sie müssen ihre Mitarbeiter und Teams dazu befähigen, sich vom Alten zu verabschieden und sich auf das Unbekannte einzulassen.